Welche Verkaufskanäle darf ein nachhaltiges Unternehmen nutzen?

Als wir in der Corona Krise unsere multifunktionalen Schutzmasken auch auf Amazon verkauft haben , erreichte uns eine erzürnte Kundenrückmeldung: Ein offensichtlich interessierter und gleichzeitig besorgter Beobachter unserer Marke meinte: „Wie könnte Ihr Euch als nachhaltiges Unternehmen positionieren und gleichzeitig auf Amazon verkaufen?“ Die Originalformulierung war etwas „schärfer“, aber das tut ja nichts zur Sache. Ich persönlich mag derlei Fragen, sie dürfen gestellt werden und geben die Möglichkeit, das eigene Tun zu hinterfragen.

mit Amazon – nicht gegen Amazon

Hand auf’s Herz: Kaufen Sie bei Amazon? Ich manchmal, eher „ab und zu“. Wo möglich versuche ich tatsächlich, nicht auf Amazon zurück zu greifen. Bücher kaufe ich am liebsten beim Händler in der örtlichen Fußgängerzone. Der Buchhändler dürfte sich auch eines erfolgreichen Geschäftsverlaufs erfreuen – trotz Amazon, oder gerade wegen Amazon? Weil er sich gegenüber Amazon positionieren musste? Weil ihn Amazon so richtig herausgefordert hat? Erfolgreiche Unternehmen wachsen mit Amazon, anstatt sich gegen Amazon zu stemmen.

Proaktives Handeln

Als „BREDDY’S“ im Jahr 2017 kurz nach Unternehmensgründung an der größten Sportartikelmesse der Welt, der ISPO in München mit dem begehrten „ISPO Brand New Award“ ausgezeichnet wurde, war Amazon der erste Kunde am Messestand. Amazon war auch der erste Händler, der sofort eine Bestellung machte. Als Start-Up waren wir begeistert. Das Vorgehen von Amazon finde ich heute noch unfassbar cool. Die schauen in die Zukunft, die gehen auf Messen, finden die innovativsten Firmen und Produkte und stellen sofort sicher, dass eine Zusammenarbeit entsteht! Amazon war auf diese Weise das erste und einzige große Unternehmen, das das Potenzial von BREDDY’S erkannt hat und uns als Start-Up sofort eine Chance gegeben hat. Das ist eines der unzähligen Dinge, die man von diesem Unternehmen lernen kann.

Was definitiv nicht in Ordnung ist

Die Liste der Dinge, die man gemeinhin Amazon zum Vorwurf macht, ist lange. Ich muss nicht erwähnen, dass auch ich gar nichts davon halte, wenn ein Unternehmen soziale Mindeststandards ignoriert oder Steueroasen ausnützen. Auch finde ich es nicht richtig, wenn Retoursendungen bei Amazon, statt aussortiert zu werden, einfach vernichtet werden.

Aber ich mache Amazon nicht zum Vorwurf, Branchen verändert zu haben und in vielen Bereichen eine marktbeherrschende Position eingenommen zu haben. Das schafft kein Unternehmen der Welt, wenn es nicht die Bedürfnisse des Kunden zufriedenstellt.

Was also können wir uns mitnehmen?

Was Amazon definitiv richtig macht ist: Den Kundennutzen optimieren. Man kann auf Amazon (fast) alles kaufen, und das verlässlich, rasch und günstig. Wer könnte davon nicht begeistert sein? Amazon bietet definitiv ein völlig unkompliziertes Einkaufen.

Ich mag erfolgreiche Unternehmer, die neue Wege gehen. Mich fasziniert es, wenn Unternehmer einen Markt erfinden. Und ich finde Kundenservice und Verlässlichkeit beim Einkauf enorm wichtig. Und Amazon macht es vor, wie man sich einen Online Einkauf vorstellt. Schnell, verlässlich, günstig. Warum also den Markplatz, den Amazon geschaffen hat ignorieren? Vielmehr sollten Start-Up‘s wie arrivierte Unternehmen, die im Internet verkaufen wollen, die Online-Performance von Amazon als Benchmark erkennen und annehmen.  

Es darf diskutiert werden

Ich lade zur Diskussion ein: Wie stehen Sie zu dieser Frage? Ich freue mich auf viele Rückmeldungen und eine interessante Diskussion!

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