Was bedeutet „Faire Produktion“?

Nachhaltigkeit ist in aller Munde –  der Begriff der Fairness?

Ich kann mir unter dem Begriff der Fairness einfach mehr vorstellen, als unter dem Begriff Nachhaltig. Schon alleine deswegen, weil der Begriff Nachhaltigkeit überall und von jedem verwendet wird. Ein Wort, das wir vor 20 Jahren noch nicht gekannt haben – ist jetzt Heilsbringer für viele Marketingvorstände: Wir agieren nachhaltig!

Nur: Wie behandle ich Mitarbeiter, wenn ich Sie nachhaltig behandle? Gut es gibt die SDG’s, die „Global Sustainable Development Goals“ die „Globalen nachhaltigen Entwicklungsziele“. Gleich mehrere dieser von der UN verfassten Ziele befassen sich mit dem Wohlergehen der Menschen, #1 keine Armut, #8 Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum, #10 weniger Ungleichheit, oder #12 verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster.

Trotzdem: In meinen mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Bekleidungsindustrie hat sich für mich herausgestellt, dass das Streben nach Fairness ein extrem guter Leitsatz ist.

Beim Thema Fairness fällt uns in der Bekleidungsindustrie natürlich zuerst der Umgang mit dem Thema Lohnminuten ein. Wer billiger produziert hat am Markt die Nase vorne und kann mehr Marge verbuchen.

Aber es gibt auch die Fairness gegenüber der Umwelt. Gut, die Frage ist – wie messen wir die? Um nicht gleich die Diskussion über Bekleidung zu starten – schauen wir einmal die aktuelle Diskussion um das Thema Mobilität an. Verbrennungsmotor versus Elektroantrieb. Es ist kaum möglich, diese Diskussion sachlich zu führen. Wer kennt sich wirklich aus, was gut ist. Befürworter der Elektromobilität werden mit Berichten über katastrophale Herstellungsbedingungen beim Abbau von Lizium konfrontiert, mit fehlenden Konzepten zur Wiederverwertung von Altbatterien, oder mit der Tatsache, dass in manchen Ländern der Anteil an durch thermische Verbrennung hergestellten Strom sehr gering ist. Weil es die meisten oft unmittelbar betrifft, und noch dazu ein über viele Jahre als Statussymbol aufgebautes Produkt betrifft, gehen die Emotionen hoch. Lösungen gehen unter.

Und wie ist das bei der Bekleidung?

Es ist sehr ähnlich. Ich kenne kaum eine sachliche Diskussion darüber, ob es besser für die Umwelt ist, Polyesterfasern herzustellen, oder die Wolle von Merinoschafen in Tasmanien zu verwenden. Ich kenne auch keine Studien die die Auswirkungen auf die Umwelt genau beschreiben. Vielmehr stellen unterschiedliche Hersteller unterschiedliche Behauptungen auf – und rücken sich so Ihr Vorgehen ins gute Licht. Wer sich nur ein bisschen mit Nachhaltigkeitsberichten unterschiedlicher Hersteller beschäftigt kann sich davon überzeugen. Um bei der Materialauswahl Gutes zu tun muss man schon wirklich in die Tiefe schauen, die Supply Chain genau kennen. In jedem Fall wird es dabei hilfreich sein, die Beurteilung der Auswirkungen auf die Umwelt unter dem Aspekt der Fairness gegenüber ebendieser vorzunehmen und sich die Frage zu stellen: Macht das wirklich Sinn, was wir hier machen – oder ist es nur bequem und/oder billig?

Und der scheinbar wichtigste Faktor bleibt nach wie vor der Fertigungslohn. Kaum eine andere Industrie hat Ihre Fertigungsstandorte in den letzten 40 Jahren so rasant in kontinuierlich in Länder mit billigem Lohnniveau verlegt. In kaum einer anderen Industrie ist auch so wenig Investition mit einer Standortveränderung verbunden. Maschinen auf den LKW verladen und ab in das nächste Fertigungsland. Die Suche nach dem billigsten Nadelstich hat unsere Industrie in den letzten 40 Jahren beherrscht. Und sie ist noch lange nicht zu Ende. China war über 30 Jahre hinweg wichtigster Fertigungsstandort unserer Industrie. Doch jetzt stoßen andere Industrien nach, werden wichtiger, zahlen höhere Löhne. Ähnlich wie es vor 40 Jahren schon in Europa passiert ist, zu einer Zeit in der in den Bekleidungs- und Textilhochburgen im Süden Deutschlands oder in Vorarlberg massenhaft Betriebe geschlossen haben. Weil man im Ausland viel billiger produzieren kann. Wir haben mit diesem Vorgehen ein Mindset in der Industrie geschaffen.

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