Werden wir aus dieser Krise lernen? Und wenn ja – was genau?

Die COVID-19 Krise und die Veränderungen, die sie mit sich bringen wird – aus der Sicht der
Bekleidungsbranche.

Seit 75 Jahren – seit dem Ende des zweiten Weltkriegs – hat es wohl kein anderes Ereignis gegeben, dass das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben weltweit so stark beeinflusst hat, wie die derzeitige COVID-19 Krise. Innerhalb weniger Wochen hat sich alles verändert. Noch nie hat es in der
Geschichte der Menschheit einen derartigen Lock-Down gegeben, der das was wir alle bis dato als „Alltag“ kannten, komplett verändert – nein auf den Kopf gestellt – hat. Unser Leben war innerhalb kürzester Zeit aus den gewohnten Bahnen gerissen. Schön langsam zeichnet sich wieder eine Rückkehr zu dem ab, was wir als „Normalität“ bezeichnen. Bleibt die Frage: Haben wir etwas gelernt? Wird sich etwas verändern? Oder werden wir „Corona“ schnell wieder vergessen und bald wieder zu den gewohnten Szenarien zurückkehren – Billigproduktionen in Ländern fernab von Arbeitsrecht und -würde. Es wird also Zeit, sich damit zu beschäftigen, was in unserer Branche bleiben wird von „Corona“.

Wir haben in der Krise erkannt, was uns fehlt
Wenn Grenzen geschlossen werden, internationale Transportwege von heute auf morgen stillgelegt werden, dann ist binnen kürzester Zeit zu erkennen, was in unserem Land fehlt. Einfache Produkte wie Schutzmasken und Schutzbekleidung waren und sind aus österreichischer oder europäischer Produktion kaum zu bekommen, und schon gar nicht in den Mengen, in den wir sie benötigen würden. Es fehlt an Allem, an den notwendigen Ressourcen, den ausgebildeten Mitarbeitern, den entwickelten Kompetenzen, der notwendigen Technologie und nicht zuletzt an den Budgets.

Wiederaufbau von lokalen Produktionen in Europa
Die Versuche, die Masken und Schutzbekleidungsproduktion in Europa kurzfristig hochzufahren waren geradezu jämmerlich, musste man doch erkennen, dass dazu die nötigen Betriebe fehlen. Nur die wenigen Unternehmen, die in den letzten 40 Jahren ihre Inlandsproduktionen aufrechterhalten haben, standen und stehen zur Verfügung. Und auch bei der Fertigung von Masken waren schnell Diskussionen zu erkennen, dass „die Herstellung einer einfachen Maske doch nicht so teuer sein könne“ und dass es „moralisch nicht in Ordnung wäre, sich an der aktuellen Krisensituation zu bereichern“. Sehr schnell war zu erkennen, dass ein wesentlicher Teil unserer Gesellschaft die Wertigkeit für die Herstellung von Bekleidungsstücken nicht mehr erkennen kann – wie auch, wenn
in den letzten Jahrzehnten die Anzahl der Billigprodukte auf den Märkten immer größer wurde.

Wir müssen neue Technologien entwickeln
Der Aufbau einer lokalen Supply Chain, die Nutzung lokaler Ressourcen in der Nähe von Verbrauchermärkten benötigt vor allem die Auseinandersetzung mit der folgenden Frage: Wie sind die vergleichsweise hohen Löhne und Gehälter, die wir zur Aufrechterhaltung unseres hohen
Lebensstandards und unserer hohen Bruttosozialprodukte hier in Europa benötigen, mit der Herstellung von leistbaren Bekleidungsprodukten vereinbar? Wollen wir Produktionen wiederaufbauen, müssen wir uns mit Technologien beschäftigen, die wir bis dato in der Bekleidungsbranche nicht eingesetzt haben. Nur so werden wir es schaffen, Produkte zu leistbaren Preisen herzustellen und Arbeitsplätze zu schaffen, die interessant genug sind, dass wir dafür nicht wieder (in Umgehung sämtlicher Gesetze) billige Leiharbeiter mit Sonderflügen aus osteuropäischen Ländern einfliegen müssen. Ressourcennutzung in einer lokalen Supply Chain hieße aber vor allem auch die Auseinandersetzung mit neuen Materialthemen, die uns von Baumwolle und Billigpolyester
unabhängig machen können.

Ausbildung als entscheidender Faktor
Wollen wir dieses Ziel erreichen, also Produktionen mit Hilfe von neuen Technologien wieder in der Nähe der Verbrauchermärkte aufzubauen, wird es unerlässlich sein, für die entsprechenden Ausbildungen zu sorgen. Wir brauchen also wieder Schulen und Universitäten, die sich mit der
Fertigung von Textilien und Bekleidung beschäftigen und somit gut geschultes Personal für die Zukunft der Textil- und Bekleidungsindustrie ausbilden. Nur so kann die Herstellung von Bekleidung dann auch wieder den benötigten Stellenwert in unserer Gesellschaft erlangen. Wenn junge
Ingenieure mit Stolz sagen können, dass sie sich mit der Herstellung von Bekleidung in Europa befassen, neue Technologien entwickeln und damit einen wichtigen und wesentlichen Beitrag leisten, hochwertige, interessante und zukunfts- und krisensichere Arbeitsplätze zu schaffen.

Mode und Bekleidung sollte wieder Wertigkeit erlangen
Wenn wir diese Investitionen in die Zukunft durchführen, Fertigungsbetriebe aufbauen, Technologien entwickeln und für eine hochwertige und anerkannte Ausbildung in unserem Sektor sorgen – dann
wird Bekleidung auch wieder die Wertigkeit erlangen, die sie haben sollte. Kunden werden neue Bekleidungsstücke wieder mit Bedacht kaufen und dafür Sorge tragen, dass sie diese für einen möglichst langen Zeitraum verwenden werden.

Die Chance die wir durch COVID-19 erhalten
Ich wünsche mir für die Bekleidungsbranche, dass wir aus der aktuellen Krise genau diese learnings mitnehmen. Mit unserem kleinen Team von BREDDY’S arbeiten wir seit über drei Jahren an der Umsetzung des oben beschriebenen Szenarios. Wir haben ein Produkt entwickelt, das hochwertig ist und dessen Supply Chain zu 100% in Europa aufgebaut ist. Ein Produkt, das für eine lange Tragedauer entwickelt ist und bei dessen Entwicklung und Fertigung wir auf höchstmögliche Fairness gegenüber
Mensch und Umwelt gesetzt haben. Die täglich steigende Anzahl unserer begeisterten Kunden gibt uns Recht und bestärkt uns darin, am richtigen Weg zu sein.

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